Gustav Klimt (1862 - 1918)

Rosen unter Bäumen

Um 1905

Bekanntgabe der Einleitung eines Verfahrens zur Restitution des Werks "Rosen unter Bäumen" von G. Klimt (Inv. RF 1980-195) aus der Sammlung des Musée d'Orsay


Frankreichs Kulturministerin Roselyne Bachelot-Narquin gibt die Einleitung eines Verfahrens zur Restitution des Gemäldes Rosen unter Bäumen von Gustav Klimt bekannt. Das Bild wird den Erben von Nora Stiasny (1898-1942) zurückgegeben, der es in Wien im August 1938 von den Nazis geraubt worden war. Diese Entscheidung wurde nach umfassenden Forschungsarbeiten durch das Musée d'Orsay getroffen, das auf Initiative seiner Präsidentin Laurence de Cars eine bedeutende Rolle bei diesem einzigartigen Vorhaben gespielt hat.

Nora Stiasny, die Nichte der bekannten Kunstsammler Viktor und Paula Zuckerkandl, wurde einige Monate nach dem Anschluss von den Nazis gezwungen, ein Gemälde von Klimt, damals bekannt unter dem Titel Apfelbaum, zu einem Spottpreis zu verkaufen. Nora Stiasny war jüdischer Herkunft, sie wurde später deportiert und im Jahr 1942 gemeinsam mit ihrer Mutter ermordet. Im selben Jahr ereilte dieses Schicksal auch ihren Ehemann und den gemeinsamen Sohn.

Ende 1990 stellten die Erben von Nora Stiasny einen Antrag auf Rückgabe bei der Galerie Belvedere, einem österreichischen Museum für moderne Kunst, der 2001 zur Restitution des Gemäldes Apfelbaum II von Gustav Klimt führte. Allerdings kam die österreichische Kommission für Provenienzforschung im Juli 2017 zum Schluss, dass irrtümlich ein falsches Klimt-Bild restituiert worden war.

Dank gemeinsamen Nachforschungen des Musée d'Orsay, des französischen Kulturministeriums, der Galerie Belvedere und Vertretern der Erben von Nora Stiasny konnte bestätigt werden, dass es sich beim geraubten Klimt-Gemälde, das einst Nora Stiasny gehört hatte, um das Werk Rosen unter Apfelbäumen aus dem aktuellen Bestand des Musée d'Orsay handelte.

Frankreich hatte das Gemälde 1980 für das Bestandskonzept des zukünftigen Musée d'Orsay auf dem Kunstmarkt angekauft. Wie bei staatlichen Kunsterwerben üblich, wurde das Bild einer eingehenden Prüfung durch den Conseil artistique des musées nationaux unterzogen, der sich auf Grundlage der damals verfügbaren Informationen zu diesem Werk und insbesondere seiner Geschichte geäußert hatte.

Das Wissen über die Sammlung von Victor Zuckerkandl und das Schicksal seiner Familie in den Jahren 1920-1940 wurde im Laufe der vergangenen Jahre erweitert, um die Geschichte hinter den verschiedenen, vom Sammler erworbenen Klimt-Werken nachzuverfolgen. Neue Elemente ermöglichten es, die Herkunft des Klimt-Gemäldes vom Musée d'Orsay nachzuweisen.

Die Komplexität dieser Angelegenheit erinnert an die Bedeutung der Provenienzforschung beim Nachweis der Herkunft von Werken aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, um sicherzustellen, dass die Kulturgüter, die heute in den öffentlichen Kunstsammlungen aufbewahrt werden, nicht von den damaligen Enteignungen durch die Nationalsozialisten betroffen waren. Der französische Kulturminister hat somit im Jahr 2019 eine eigene Kommission zur Nachforschung über enteignete Kulturgüter zwischen 1933 und 1945 ins Leben gerufen, um die bereits seit mehr als 20 Jahren koordinierten Bemühungen weiter zu verstärken. Die öffentliche Einrichtung des Musée d'Orsay und Musée de l'Orangerie nimmt ebenso wie die anderen französischen Museen an diesen sorgfältigen Nachforschungen über die Provenienz der aufbewahrten Werke teil.

Die heute bekanntgegebene Restitution kann derzeit aus rechtlichen Gründen nicht sofort in Kraft treten. Im Gegensatz zu den Werken, die in den Inventaren "Musées nationaux récupération" eingetragen sind und somit nicht zu den nationalen Sammlungen gehören - d. h. bei nachweisbarem Zwangsverkauf restituierbar sind - gelten Kulturgüter, die durch einen freiwilligen entgeltlichen oder unentgeltlichen Erwerb in Staatsbesitz gelangt sind, als unverjährbar und unveräußerlich.

Um Rosen unter Apfelbäumen den Erben von Nora Stiasny tatsächlich zu restituieren, muss in den nächsten Wochen oder Monaten ein Beschluss des Parlaments und eine juristische Grundlage folgen, um die Herausgabe des Werks aus den nationalen Sammlungen auf der Grundlage der Enteignung im Jahr 1938 zu genehmigen.

www.culture.gouv.fr
Pressemitteilung

Öl auf Leinwand

H.110; B.110 cm

©RMN - Grand Palais (Musée d'Orsay) / Patrice Schmidt

**informations_generales.localisation**

Musée d’Orsay

1 rue de la Légion d'Honneur
75007 Paris
France

+33 (0)1 40 49 48 14