Der „Talisman” von Sérusier

Eine Prophezeiung der Farbe
29 Januar - 02 Juni 2019
Die kleine Freiluftstudie, die Paul Sérusier im Oktober 1888 in Pont-Aven „unter der Leitung von Gauguin" anfertigte (wie die handschriftliche Eintragung auf der Rückseite der Tafel angibt), sollte bald den Rang einer echten Ikone einnehmen. Als Sérusier nach seiner Rückkehr an die Académie Julian den Nabis ("Propheten" auf Hebräisch) diese "synthetische" Landschaft mit reinen Farben und vereinfachten Formen präsentiert, machen diese das Gemälde zu ihrem "Talisman".
Es wird später in die Sammlung von Maurice Denis aufgenommen, der wesentlich zur Vermittlung seiner Symbolträchtigkeit beitrug, indem er seine Entstehung in einem Text schilderte, der 1903 in der Revue L'Occident veröffentlicht wurde:
"Wie sehen Sie diesen Baum", fragte Gauguin vor einer Landschaft im Bois d'Amour: Ist er richtig grün? Tragen Sie also Grün, das schönste Grün Ihrer Palette auf! Und dieser bläuliche Schatten? Scheuen Sie sich nicht, ihn so blau wie möglich zu malen."
Somit wird uns erstmals auf paradoxale und unvergessliche Weise das fruchtbare Konzept der "ebenen Oberfläche, auf die Farben in einer bestimmten Reihenfolge aufgetragen werden" präsentiert.

Somit wurde die Studie von Sérusier zum Mittelpunkt einer Art Ursprungsmythos, der die Interpretation prägt: eine "Malstunde", erteilt von Paul Gauguin, der dem jungen Maler das Manifest einer Kunst übermittelt, die den mimetischen Ansatz durch die Suche nach einem "farbigen Äquivalent" ersetzt. Die Nachwelt sollte das Gemälde im Lichte dieser Präsentation als die Ankündigung eines neuen Malkonzepts interpretieren: pur, autonom und abstrakt.

Diese Ausstellung bietet die Möglichkeit, die Geschichte dieses legendären Werks in den Sammlungen des Musée d'Orsay neu zu entdecken. Anhand der neuesten Forschungen zum Thema beschreibt sie den Kontext seiner Entstehung, seinen Stellenwert innerhalb des künstlerischen Schaffens von Sérusier sowie seine Beziehungen zu den Werken der Nabis. Die Ausstellung erforscht ebenfalls seine materielle Geschichte: eine kleine Ölmalerei auf Holz, ein unvollendetes 27 cm langes und 21 cm breites Werk, dessen improvisierter Charakter von Maurice Denis übertrieben wurde, indem er von einer Zigarrenkiste sprach. Analysen, die 2018 vom Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France (C2RMF) durchgeführt wurden, lieferten detaillierte Informationen über die Art des Trägermaterials und die vom Künstler verwendeten Farben.
Und zuletzt erzählt die Ausstellung die Geschichte der Rezeption des Gemäldes durch die Künstler der damaligen Zeit sowie die Reaktionen der Nachwelt in der Kunstszene des 20. Jahrhunderts.
Diese Präsentation mit mehr als 60 Werken basiert auf den Sammlungen des Musée d'Orsay im Zusammenhang mit der Schule von Pont-Aven und den Nabis sowie dem Bestand des Musée de Pont-Aven. Sie beinhaltet außerordentliche Leihgaben von französischen Museen sowie zahlreiche Werke aus Privatsammlungen.


Ausstellungsleitung

Estelle Guille des Buttes-Fresneau, Direktorin des Pont-Aven-Museums
Claire Bernardi, Kuratorin im Musée d'Orsay
In Zusammenarbeit mit Estelle Bégué, Archivarin im Musée d'Orsay


Ausstellung vom 30. Juni 2018 bis 6. Januar 2019 im Museum von Pont-Aven

Mit der großzügigen Unterstützung von B Signature


Partner

Paris Première L'Objet d'Art

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