Endlich Kino!

Kunst, Bilder und Schauspiel in Frankreich 1833-1907
28 September 2021 - 16 Januar 2022
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkörpert das Kino eine Möglichkeit in ähnlicher Weise wie - und vielleicht noch mehr als - eine Maschine oder ein Medium, sich die Welt, Körper und Darstellungen anzueignen. Dank einer überaus neuen sozialen und populären Betrachtungsweise ist es das Produkt einer urbanen Kultur, das von der Bewegung der Wesen und Dinge fasziniert ist und aus der "Modernität" ein Schauspiel machen möchte.

Allerdings tritt keineswegs ein plötzlicher Bruch oder eine gewaltsame Revolution ein, denn Geist und Körper wurden umfassend vorbereitet. Die ersten Projektionen von "animierten Fotografien" der Gebrüder Lumière in Paris im Jahr 1895 sind in der Tat die neuesten Versionen einer langen Reihe von visuellen Systemen und Attraktionen (von Panorama und Wachsfigurenmuseen über Leichenschauhäuser bis zu Aquarien und Jahrmärkten), die ihren Höhepunkt auf der Universalausstellung von 1900 in Paris erreichen. Diese ersten, noch unvollkommenen Filme entspringen einer Tradition der Bildverbreitung und sind ebenfalls die Nachfolger verschiedener künstlerischer, wissenschaftlicher, gelehrter oder gemeiner Praktiken. Zahlreiche Vorschläge oder Fragestellungen, die ihrem Aufkommen vorangegangen sind und von den Künstlern des 19. Jahrhunderts formuliert wurden - an erster Stelle die Fantasievorstellung des "integralen Realismus" - werden vom Kino fortgeführt, wiederverwertet, in Frage gestellt und bald hinter sich gelassen. Die Offensichtlichkeit des Wandels der Welt oder Laufs der Zeit wird durch das Prisma bestimmter kultureller Themen - wie der Trubel der Stadt oder die fortwährende Meeresbrandung - unterfragt und analysiert. In diesem Sinne hatte Jean-Luc Godard recht, daran zu erinnern, dass das Kino vom 19. Jahrhundert erfunden wurde.

Endlich Kino! versucht nicht, eine Chronologie der Erfindungen zu präsentieren, und ist absichtlich synchron und thematisch strukturiert. Es stellt die französische Kinoproduktion der Jahre 1895-1907 der Kunstgeschichte gegenüber, von der Erfindung der Fotografie bis zu den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, entlang einiger bedeutender Themen wie z. B. die Faszination für das urbane Schauspiel, die bewusste Aufzeichnung des Rhythmus der Natur, der Wunsch nach Experimenten und Zurschaustellung der Körper, der Traum einer "erhöhten" Realität durch die Wiedergabe von Farbe, Ton und Relief oder Immersion und zuletzt das Interesse für Geschichte. Den Abschluss bildet die Zeit um 1906-1907, als sich die Dauer der Filme verlängert, die Projektionen in den Kinosälen vor einem sitzenden Publikum stattfinden und der offizielle Diskurs institutionalisiert wird. Der Kinematograph wird zum Kino, d. h. ein Ort und eine Freizeitbeschäftigung für die Massen.

Die Ausstellung vereint etwa 300 Werke, Objekte und Filme anonymer Künstler als auch bekannter Namen, von Pierre Bonnard über Auguste Rodin und Gustave Caillebotte bis zu Loïe Fuller, Léon Gaumont, Jean Léon Gérôme, Alice Guy, Auguste und Louis Lumière, Jules Etienne Marey, Georges Méliès, Claude Monet, Berthe Morisot, Charles Pathé oder Henri Rivière.

Kuratorium

In Paris

Dominique Païni, unabhängiger Ausstellungskurator
Paul Perrin, Konservator für Malerei im Musée d'Orsay
Marie Robert, leitende Konservatorin für Fotografie im Musée d'Orsay

In Los Angeles

Leah Lehmbeck, Leiterin der Abteilung europäische Malerei und Bildhauerei und amerikanische Kunst im Los Angeles County Museum of Art
Britt Salvesen, Leiterin der Abteilung für Fotografie, Holzschnitte und Zeichnung im Los Angeles County Museum of Art
Vanessa R. Schwartz, Professor für Geschichte und Kunstgeschichte, Leiterin, Visual Studies Research Institute an der University of South California


Diese Ausstellung wird organisiert mit dem Los Angeles County Museum of Art im LACMA vom 20. Februar bis zum 10. Juli 2022.

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Heute geschlossen

Musée de l’Orangerie geöffnet

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Musée d’Orsay

1 rue de la Légion d'Honneur
75007 Paris
France

+33 (0)1 40 49 48 14